»Vielleicht bin ich nicht der Mensch, den du dir gerade wünschst«, sagte ich. Er schwieg. Seine Silhouette verzog sich im kalten Südwind und für einen kurzen Moment sah ich seine Schulterblätter in Flügel gefaltet, ununterscheidbar, ob Sinnestäuschung oder Offenbarung.
Was geschieht, wenn wir uns begegnen? Was, wenn es Gott ist, der uns begegnet? Diese Fragen haben Martin Buber ein Leben lang umgetrieben. In siebzehn modernen Erzählungen und kurzen Reflexionen erzählt Tom Sojer biblische Begegnungen neu, ausgehend von der Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Inspirieren lässt er sich von Abraham, Hagar, Hanna oder Hiob, die in vielerlei Gestalt dem Gestaltlosen begegnen. Gott dringt ihnen unter die Haut, wirft sie zu Boden, küsst ungefragt. Kein Blick bleibt folgenlos.
Doch auch im Heute bleibt Begegnung ein Risiko. Sie fordert alles: Stimme, Körper, Herz. Die Protagonisten in Tom Sojers Erzählungen ringen mit dem namenlosen Du in Momenten, wo sie verletzlich sind, in widersprüchlichen und zutiefst menschlichen Begegnungen. In der Berliner Ringbahn, im Spital oder am Ufer des Zürichsees stellt sich immer neu die eine entscheidende Frage: Lässt sich Gott berühren – und wenn ja, wo?
2. Aufl. 2026, 190 Seiten, 12.5 x 20.0 cm, Paperback
ISBN 978-3-290-18750-7
CHF 22.00
Und jeder Begegnung wohnt ein Zauber inne, Beitrag bei SRF Perspektiven am 29. März 2026
«Gestalten wie Abraham, Hagar, Hanna und Hiob erscheinen als überraschend gegenwärtige Menschen: verletzlich, suchend und offen für eine Begegnung, die ihr Leben verändert. Kurze Reflexionen erschließen Bubers dialogisches Denken, das das Buch prägt, ohne die Geschichten auf eindeutige Botschaften festzulegen. Ein poetisches, theologisch anregendes Buch, das biblische Überlieferung behutsam für neue Begegnungen ermöglicht.» zeitzeichen 9/2026
Tom Sojer, Jahrgang 1988, ist Leiter der Bücherei Hohenems und Mitbegründer der Forschungsstelle Sprachkunst und Religion an der Universität Erfurt.
